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 [Story] Seemannsgarn

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Plüschkaninchenbösewicht



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BeitragThema: [Story] Seemannsgarn   Do Nov 18, 2010 6:27 pm

Garvell stand stolz am Heck des Schiffes und schaute auf das sich immer weiter am Horizont aufrollende Khorinis. Er hatte es geschafft, in einer Zeit, in der es sowohl an Arbeitern, als auch an Baustoffen mangelte, ein ordentliches Schiff zu bauen, und nun erntete er die Früchte seiner Anstrengung: Er hatte nun endlich diese gottverlassene Insel verlassen und fuhr gen Festland, um sich dort als Soldat zu verdingen. Er würde es den Orks so richtig zeigen, würde viel Ruhm und Ehre erlangen, würde mit leeren Taschen in den Krieg ziehen, um mit vollen zurückzukehren.
Plötzlich wurden all seine Visionen und Träume von einer finsteren Furcht aus dem Kopf gedroschen: Ich könnte sterben im Kampf, könnte mit leeren Taschen losziehen und nie zurückkehren, könnte mir eine schlimme Verletzung zuziehen und elendig auf dem Feld verbluten, könnte von einem verirrten Pfeil getroffen werden und in Beliars Reich eingehen, noch bevor ich mich zur Ruhe gesetzt haben würde. Ich könnte auch stolpern und über Bord gehen, wo mich das eiskalte Meer lähmen, und mit brutaler Gewalt verschlingen würde. Oder ein Seeungeheuer könnte das Schiff zu kentern bringen. Der Tod lauert überall und in jeder Bewegung und doch lebte ich noch. Ich werde jetzt nicht stolpern und Seeungeheuer sind nichts Weiteres als Seemannsgarn, meine Todesvisionen sind also nichts weiter als hysterische Einbildungen, aber Soldat werde ich trotzdem nicht. Ich bleibe lieber bei dem langweiligen, aber sicheren Beruf als Schiffsbauer und werde meinen Enkeln später, von diesem Gedankengang erzählen.

"Herr Garvell", sagte der Kapitän mit sorgenvoller Miene zu Garvell, "Wir fahren geradewegs in ein Gewässer, in dem schon oft Schiffe auf unerklärliche Weise verschwunden sind. Man erzählt sich, dass dort eine große Seeschlange namens Skylla ihr Unwesen treibt. Wäret ihr damit einverstanden, dass Gebiet zu umsegeln?"
"Es gibt keine Skylla! Es gibt nur Adanos. Was sollte ihm wohl an einem riesigen, menschenfressenden Monstrum liegen? Das ist nicht sein Begehr. Wir segeln also mittendurch und lassen uns nicht durch irgendwelche Märchen vom Kurs abbringen", antwortete Garvell verärgert.
"Aber das Meer ist doch auch ein riesiges, menschenfressendes Monstrum, und verkörpert es nicht das Wesen Adanos?", fragte der Kapitän zurück.
Garvell erbarmte sich eines Wortes, das er noch verärgerter an den Kapitän richtete: "Unsinn"
Er blickte wieder in Richtung Khorinis, doch es war schon verschwunden. Gibt es das, was ich nicht sehen kann überhaupt?

Garvell schlängelte seinen Körper durch das herrlich kühle Nass. Eine leichte Strömung kitzelte seine linke Flanke und das Seeschlangenäquivalent eines wohligen Seufzers drang aus seiner Kehle. Er schwamm mit den Fischen und redete mit den Quallen, bis sich ein Schatten über den Boden legte, was am hellichsten Tag ein höchst merkwürdiges Ereignis war. Er blickte auf und sah auf der Meeresoberfläche einen großen braunen und vermutlich toten Fisch treiben. Ein gefundenes Fressen also. Er stieg auf und versuchte einen großen Bissen des Tieres zu nehmen und biss sich am weichen, aber dicken Panzer fast die Zähne aus. Wutschnaubend richtete er sich auf und begutachtete den Fisch von oben. Es war schon ziemlich angefressen, wahrscheinlich von den zweibeinigen Parasiten, die auf ihm herumwuselten. Da mir der Fisch etwas zu widerspenstig war probierte ich eines der Wuseldinger und war positov überrascht. Das Ding schmeckte zwar ziemlich merkwürdig, war aber mal eine Abwechslung im Vergleich zum sonstigen Fraß, den es im Meer so gab. Doch anscheinend hatte er gekleckert, der Kopf des Parasiten fiel nämlich wieder auf den Fischkörper. Interessiert drehte Garvell den Kopf mit der Schnauze um und blickte entsetzt in sein eigenes Gesicht.

Der Donner grollte und Garvell erwachte schweißgebadet aus seinem merwürdigen Traum. Weil er sich vor dem erneuten Einschlafen fürchtete, ging er dann ans Deck und fiel fast in Ohnmacht: Eine riesige Seeschlange erhob sich über dem Schiff, während die Matrosen sie in ihrer Arbeit vertieft nichteinmal bemerkten. In einem Anflug von Trotz brüllte er das Monstrum an: "Dich gibt es doch gar nicht!"
Verblüffernderweise antwortete das Viech dann auch: "Doch mich gibt es, aber ich will dir nichts Böses."
"Was willst du dann?", fragte er nun stark verwundert.
"Was ich will, ist nicht von Bedeutung. Du hast mich gerufen und ich bin gekommen", antwortete die Schlange geheimnissvoll.
"Ich habe dich nicht gerufen, und wenn dann unfreiwill", schrieh ich ihn mit neuerwachtem Trotz an.
"Du tatest es, als du dich heute Morgen deinen Träumen hingabst. Ich roch sie und sendete dir die Furcht zurück. Du glaubtest zwar, du hättest sie vertrieben, doch sie haben sich nur für kurze Zeit versteckt und voilà, hier bin ich. Ich bin die unbegründete Angst der Menschen und ich lebe hier in diesem Gewässer. Weißt du warum hier soviele Schiffe verschwinden? Die Matrosen sehen mich und geraten in Panik, dabei haben sie mich doch durch ihre träumerischen Gedanken herbestellt. Dabei bin ich doch nur auf dieser Welt, um all die Benebelten wieder auf den Boden der Realität zu befördern. Viele Matrosen missverstehen das und stürzen sich traurigerweise in die Fluten und ich komme gar nicht dazu ihnen meine Botschaft zu übermitteln: Verschwende deine Zeit nicht mit Träumen, blick nicht in den Himmel, schau vorraus. Dies zu vermitteln ist meine Aufgabe und deshalb bin ich hier. Deine Träume nützen niemandem, wohl aber gutdurchdachte Pläne."
"Was ist mit den anderen Matrosen? Sprichst du nicht zu ihnen?", fragte Garvell verwirrt.
"Das mache ich gerade, du kannst es nur nicht sehen und hören, sowie die anderen nichts von deinem Gespräch mit mir gehört haben. Sie halteb sich übrigens gut, du wirst das Festland also erreichen", antwortete das Wesen freundlich.
"Warum lauerst du ausgerechnet hier im Meer?", fragte er nun interressiert.
"Weil jenseits des Meeres die Ferne liegt und die Ferne Träume in den Menschen erweckt. Ich habe auch Brüder in anderen Meeren und in den Bergen und an den Grenzen aller Länder. Habe ich deine Fragen beantwortet?"
"Oh ja, ich werde dich wohl nie wiedersehen. Machs gut, meine hypothetische Angst", verabschiedete er sich frohen Mutes.
"Ich habe auch einen Namen, mein Junge! Ich heiße Skylla", verabschiedete sich das beleidigte Wesen nun ebenfalls und entschwand ins Meer.
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