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 [Story] Kotze

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Oblomow



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BeitragThema: [Story] Kotze   Di Nov 09, 2010 11:28 pm

Kapitel 1

Ein unruhiges Schnarchen kämpfte sich unter dem mit einem dicken Teppich überdeckten Brett in den frischen Morgen des khorinschen Hafenviertels vor. Besitzer und einziger Bewohner dieser notdürftigen Schlafstatt war Alrik, ein ärmlicher Bürger des Hafenviertels, der sich sein täglich Brot mit illegalem Schwertkampf verdiente. Und letztlich musste man auch zugeben, dass mehr als jenes auch nur selten für ihn übrig blieb. Allein, wenn einige unerfahrene Jünglinge dachten, sich ihre Tasche aufzubessern, fanden ein paar Goldstücke ihren Weg in seine Taschen, in welchen jedoch ein Riss unendlichen Ausmaßes klaffte, durch den direkt auf Kardifs Taverne an der Promenade zu schauen möglich war. Und so war er auch tags zuvor, als er nach mehreren Wochen wieder genug zusammengespart hatte, wieder in die Kneipe gegangen, um es in einige wenige Schlucke Rum und Wacholderbeerenschnaps einzutauschen. Er hatte gelacht, hatte geredet und spät in der Nacht hatte er sich wie jedes Mal arm und kaputt durch die engen Gassen zwischen den, dem Verfall nahestehenden, Holzhäusern hindurch zu seinem angestammten Platz geschleppt, um dort seinen Rausch auszuschlafen. Die Menschen um ihn herum hatten bereits angefangen, ihre tägliche Arbeit aufzunehmen oder im Falle der vielen Arbeitslosen ihre Stellung am Kai zu beziehen, falls ein reicherer Herr eine kleine Arbeit für sie hatte. Erst als die Sonne schon fast ihren Zenit erreicht hatte, wurde das tiefe Einatmen in Zusammenhang mit den eindeutigen Geräuschen unterbrochen.

Ein lautes Gähnen verkündete das Erwachen Alriks, das Niemanden auch nur im Entferntesten interessierte. Mit einem Ruck stieß er das große Brett beiseite und das Licht illuminierte sein etwas blasses Gesicht. Verkatert kniff Alrik seine Augen zusammen und hielt die rechte Hand schützend vor sich. Ächzend zog er sich an der Wand hinter ihm hoch, während seine Beine dazu unruhig hin- und herzitterten. Er sah auf seine immer noch erhobene Hand und erkannte den berühmten sechsten Finger an ihr. Langsam ließ er sie weiter auf seine Stirn zufahren. "Gottverdammt, da hab ichs wohl mal wieder übertrieben", bemerkte er, wie er es nahezu nach jedem Abend in der Bar tat. Er atmete tief ein und die Luft ließ ihn, wenn sie auch bereits nach alter Wäsche roch, etwas besser fühlen. Musternd sah er etwas an sich hinab. Diverse Flecken der Urmenge Rum zierten seine zur Ganzkörperleinwand verkommene Lederrüstung. "Oh Mann", murmelte er halblaut und mit rauer Stimme und ließ seinen rechten Arm herunterplumpsen. Bewegungslos mit Ausnahme des Heben und Senkens seiner Bauchdecke verharrte er einen Moment.

Die Bilder des letzten Abends kehrten in seinem Kopf wieder. Nachdem er sich angetrunken hatte, hatte er natürlich nicht anders gekonnt, als Joe, den standfestesten Trinker der Stadt zum Saufduell herauszufordern. Alrik warf leicht seinen Kopf hin und her und grinste dabei dümmlich. Er hatte gewonnen, glaubte er sich zu erinnern, ab diesem Zeitpunkt verließen ihn jedoch seine Erinnerungen schon wieder. Er atmete tief aus. Am liebsten wäre er direkt wieder unter seine Decke geschlüpft, doch wollte er sich sein Mittagessen verdienen, so musste er doch zumindest wieder auf seinen eigenen Beinen stehen können. Langsam begann er in Richtung Brunnen zu schlurfen, vorbei an der Hütte Alwins des Fleischers, dessen Schafe munter herumblökten. Alric hob sich die Ohren zu. Er wollte seine Ruhe und er wollte schlafen, aber er wollte auch Wasser. Langsam trieb er sich weiter, bis er endlich seine Hände auf den kalten Stein des Brunnens legen konnte. Ein ältere Frau stand an der Kurbel und holte sich ihren täglichen Bedarf aus der Tiefe. „Verdammt, ich habe Durst“, dachte Alrik sich und seine Kehle kam ihm auf einmal wie eine Miniaturausgabe der Wüste Varants vor. Das Metall der Kurbel quietschte jedoch geduldig. „Mach doch schneller, Weib“, trieb er die Dame ungeduldig an, die ihn jedoch einfach eines bösen Blickes bedachte und dafür sogar einen Moment ihre Bemühungen einstellte. „Das gibt’s doch nicht“, grummelte Alrik und wagte einen Blick hinunter in den Schacht. Nicht weit von ihm entfernt löste sich langsam ein gefüllter Eimer aus der Dunkelheit und als er in Griffweite war, ließ sich Alrik nicht lange bitten und schnappte ihn sich. Die alte Frau neben ihm fing dabei mit einem Mal laut an zu schreien, doch Alrik war es egal. Mit großen Schlucken ließ er das Wasser seine Speiseröhre hinunterschnellen und setzte erst ab, als er nichts mehr trinken konnte. Mit einem Mal fühlte er sich besser, bis er sich nur einen Moment später schlechter als je zuvor fühlte und sich direkt neben den Brunnen auf den Boden ergab.
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Oblomow



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BeitragThema: Re: [Story] Kotze   Fr Dez 10, 2010 4:29 am

Kapitel 2

Die letzten Tropfen seines Erbrochen platschten langsam in die neu erstellte braunrötliche Pfütze unter ihm, welche sich wie ein Burggraben um einen Haufen undefinierbare Masse schlang. Im Hintergrund glaubte er zu hören, wie er von der alten Dame mit einem "Geschieht dir nur Recht" bedacht wurde, doch in diesem Moment drückte bereits ein weiterer Schwall aus ihm heraus. Wieder beugte er sich über die Lache, bis sich sein Magen komplett entleert hatte und auch sein Körper trotz aller Bemühungen nichts mehr zu Tage fördern konnte. Vorsichtig atmete Alrik ein und aus und spuckte seinen Mund notdürftig sauber von Magensäure, bevor er sich langsam wieder erhob. "Bei den Göttern, was ist nur mit mir los?", fragte er laut Niemanden und besah sich seine rechte Hand, welche die Farbe des käseweißen Mondes angenommen hatte. "Das kann doch wohl nicht von Gestern kommen", überlegte er sich, doch wurde er dabei von einer eisigen Kälte abgelenkt, welche plötzlich durch seinen Körper hindurchfuhr. Zitternd verschlung Alrik seine Arme vor sich. Mit einem Mal war es für ihn strengster Winter geworden und der flaue Wind schien ihm nun fast seine Gliedmaßen zu gefrieren. Alrik beugte sich etwas nach vorne, doch außer, dass sein Erbrochenes wieder in sein Sichtfeld rückte, wollte es nichts bringen. "Ich muss mich wieder hinlegen, einfach wieder unter die Decke", ordnete er eilig seine Gedanken im Kopf, bevor er wieder in Richtung seiner Ecke davoneilte.

Achtlos fuhr der Sonnenwagen weiter über das Weltengewölbe hinweg, während wie noch am Morgen Alrik unter seiner Unterkunft kauerte, in welcher sich eine bedrückende Schwüle breit gemacht hatte, doch Alrik selbst merkte nichts davon. Zusammengekrümmt wartete er darauf, dass sein Bauch sich wieder aufwärmen, einen kleinen Impuls des Wohlbefindens senden würde, doch stattdessen nahme er nur noch den ekligen, schlammigen Boden wahr. Seine Unterkunft offenbarte ihm mit all ihrer Grausamkeit ihre Schwächen. Der Raum war ihm zu eng, die Luft zu schlecht, doch vor Allem war ihm kalt, immer noch und unabänderlich. Doch war Letzteres auch der alleinige Grund, dass er sich nicht mehr nach draußen wagte. Zu groß war die Angst in ihm, wie einer jener Reisenden, welche nach Nordmar gingen zu verenden und dies bereits im Herbst. Und so schritt der Tag voran, bis schließliech am späten Nachmittag ein lautes Klopfen an Alriks Brett Alrik aus seinem Quarter heraustrieb. "Komm her und kämpfe gefälligst!", forderte eine kindliche Stimme, während Alrik sich mühsam nach draußen quälte. Äußerungen des Ekels ertönten von weiter hinten. Alrik fuhr sich als Reaktion durch sein Haar, dass fettig herunterhing, um danach dem Ursprung der ersten Stimme nachzugehen. "Hier hast du deine 50 Münzen und jetzt fang endlich an", tönte diese weiter. Es war ein kleiner Junge, wei Alrik inzwischen erkannt hatte, hinter ihm standen einige andere des gleichen Alters, welche offenbar seine Kumpels waren. Ein typisches Großmaul, welches zu viel Geld hatte. Alrik grinste kränklich. Natürlich war er schwach, aber solch einen Pimpf sollte er immer noch mit ein bis zwei Hieben erledigt haben überlegte er sich und zog sein Schwert aus der Halterung. "Na dann komm mal her. Bürschchen", provozierte er leicht und kaum einen Moment später rannte der Jüngling mit einem kleinen Kurzschwert auf ihn zu. "Pass bloß auf, der soll ziemlich stark sein, hab ich gehört", rief ihm einer seiner Freunde noch als Tipp zu, doch der Knabe ließ sich offenbar nicht beirren und ließ sein Schwert herniederfahren. Alrik blockte gekonnt und drückte den Jungen etwas von sich weg, dass dieser erneut anrannte. Elegant startete Alrik ein Ausweichschritt, doch plötztlich fuhr es ihm wie au sheiterem Himmel in den Magen und ehe er sich versehen konnte, hatte der Jüngling ihn auch schon umgehauen. "Ich glaub nicht was ich seh", brüllte es von hinten entsetzt. "Alter, wie hast du das denn geschafft?", stellte ein Anderer geschockt seine Frage. "Ich hab doch gesagt, ich kann jeden besiegen. Ihr wolltet mir ja nicht glauben", sprach der Bursche mit dem Schwert selbstgefällig und wandte sich an Alrik. "So du Schwertkämpfer in spe, ich will Kohle sehen", verlangte er gehässig. Alrik stöhnte. "Junge, ich habe gerade kein Geld da, wenn du viel...", versuchte er den Jüngling zu bremsen, doch dieser dachte nicht im Entferntesten daran und rammte sein Schwert knapp neben Alriks Kopf in den Boden. "Ich habe dich fair besiegt und ich will mein mir zustehendes Geld, ansonsten mach ich dich erst so richtig fertig", zischte er los und Alrik wurde erstmals an jenem Tag wieder eher rötlicher als blasser. Doch ob Scham oder Wut dafür der Auslöser waren, hätte er nur schwer sagen können. "In einer Woche, versprochen", beschwichtigte er den Knaben weiter, der mit verächtlichem Blick darauf zur Seite ausspuckte und sein Schwert wieder aus demBoden zog. "In einer Woche", wiederholte er leise, bevor er sich an seine Gruppe wandte. "Kommt, wir lassen diesen Penner in Ruhe."
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